So war's hier früher:
Geschichte der Gaststätte von Franz Inselkammer
Am 16. Mai 1 8 7 7 stellt der Gutsbesitzer Franz Inselkammer(*1838) ein Gesuch an das
königliche Bezirksamt in München um Erlaubnis, in seinem Anwesen, Hausnummer 9 in Siegertsbrunn
eine Gastwirtschaft zu errichten. Er möchte Bier, Wein, Schnaps, Käse und dergleichen,
kalte und warme Speisen verabreichen. Die "Behausung" wird in Augenschein genommen,
die Räumlichkeiten entsprechen den Bestimmungen. Es gibt einen eigenen Brunnen mit
gesundem und reinem Wasser. Das kgl. Bezirksamt erteilt die Erlaubnis mit der Auflage:
"Ohne Beherbergung, keine Völlerei, keine verbotenen Spiele, keine Hehlerei und
keine Unsittlichkeit in den öffentlichen Räumen."
Die Gemeindeverwaltung stimmt zu. Es unterschreiben: Bürgermeister Zimmermann
(Schmiedwagner, Kaspar Wagmüller, Mathias Mair (Stumbeck), Johann Strobl, Johann
Rauscher und Michael Weigl. So bekam Siegertsbrunn den "Gasthof von Franz Inselkammer",
auch "Unterwirt" genannt, weil im "unteren Dorf" lag.
Es ist anzunehmen, daß man dann ab Sommer 1 8 7 7 damit begann, in einem der Räume
im Erdgeschoß des Bauernhauses kalte und warme Speisen zu verabreichen.
Das Bier lieferte mit großer Wahrscheinlichkeit die Brauerei in Egmating, wurde
doch auch in der Tafern "Beim alten Wirt", der zweiten Wirtschaft im Ort, seit
1 8 6 2 Bier aus Egmating ausgeschenkt.
Von 1 8 7 5 bis 1 8 9 7 existierte in Siegertsbrunn eine Braunbierbrauerei.
Bierbrauer und gleichzeitig Wirt der Taferne "Beim alten Wirt" war Mathias Braun.
Ob Franz Inselkammer allerdings von Mathias Braun auch Bier bezogen hat, konnte nicht
ermittelt werden.
Die Versorgung der Gäste beim "Unterwirt" oblag der Bäuerin Therese Inselkammer,
geborene Tuffner(*1840); einige weibliche Dienstboten werden ihr dabei geholfen haben.
Ab dem Jahre 1 9 0 2 wird erstmals ein "Wirtspächter" genannt.
1 9 2 4 ist nachgewiesen, daß das Bier von der Brauerei in Egmating geliefert wurde.
Der "Gesamtbierverschleiß", so nannte man damals den Bierverbrauch, lag 1924 bei
rund 3 5 0 Hektoliter.
Ab dem Jahre 1 9 2 9 liefert das Bier die "Franziskaner-Leistbrauerei" München.
1 9 3 2 heiratet Franz Seraph Inselkammer(*1902), ein Sohn der Eheleute Franz Severin
Inselkammer(*1865) und Therese, geborene Mair,(*1876) Bauerntochter beim "Stumbeck",
die Tochter Maria Kreszenz, geborene Zehentmair(*1911) aus der "Liebhard'schen-Brauerei" in Aying .
1 9 3 6 ziehen Franz und Maria Inselkammer nach Aying und übernehmen das Anwesen,
die "Liebhard'sche-Brauerei" und den Gasthof von August und Maria Zehentmair,
bleiben aber weiterhin im Besitz der Ökonomie und der Gastwirtschaft
in Siegertsbrunn.
Seit dieser Zeit wird das Bier der Brauerei "Liebhard", später "Brauerei Aying"
im Gasthaus von Franz Inselkammer ausgeschenkt!
Bis zum Jahre 1981 ist der Gasthof von Franz Inselkammer in Siegertsbrunn in der
näheren und weiteren Umgebung unter den verschiedensten Pächtern ein Begriff
von guter Gastronomie.
Wegen Baufälligkeit sollte ab 1 9 8 2 ein großangelegter Umbau und Neubau durchgeführt
werden. Aber erst ab Oktober 1 9 9 7 wurde mit den Restaurierungsarbeiten,
verbunden mit einem teilweisen Neubau, begonnen. Im November 1998 war der Bau
vollendet. Bauherrin war die
Seniorchefin Maria Inselkammer, als Architekten fungierten die Herren Hans Loidl und
J. Renz.
Einige Wirts-Pächter und etwas über den Bierverbrauch:
1 9 0 2 Michael Zeller
1 9 0 3 Xaver Knödl
1 9 0 3 bis 1 9 1 0 Franz Severin Inselkammer, (*1865) und Therese, geborene Mair, vom
"Stumbeck" in eigener Regie.
Beide genießen einen vorzuglichen Leumund und halten
streng auf reelle Bedienung und Zucht und Ordnung, so die amtliche Bemerkung.
1 9 1 0 Johann Fuhrmann, Metzger, mit Wurstkuche und Fleischbank
1 9 1 2/1 3 Bierverbrauch in zwei Jahren: 1261 Hektoliter Faßbier und 76 Hektoliter
Flaschenbier. Der Pächter bekommt pro hl 4 Mark, Jahrespacht 2000.~ Mark
1 9 1 4 Josef Wallner und seine Frau Maria von Hohenbrunn. Sie waren bis 1928 Pächter.
1 9 2 4 Bierverbrauch: 346 Hektoliter. Das Bier mußte von der Brauerei in Egmating bezogen
werden.
1 9 2 8 Paul Springer von Aying, Metzger
1 9 2 9 Lorenz Schnitzenbaumer von Heimatshofen und seine Frau Zilli. Schnitzenbaumer
schließt mit der Witwe und Gutsbesitzerin Therese Inselkammer folgenden Vertrag:
Kaution: 1500.- Mark. Als Pacht monatlich von der Metzgerei
25.- Mark, vom hl Faßbier bekommt der Pächter 3.50 Mark, vom hl dunklen
Flaschenbier 2.- Mark.Das Bier kommt von der "Franziskaner-Leist- Brauerei"
Miinchen.
Die Dienstboten, Hilfsarbeiter und Handwerker sind zu verköstigen.
Die männlichen Dienstboten über 18 Jahre bekommen pro Tag 2 Liter Bier, alle
anderen 1 Liter.
Die Verpächterin hat pro Person und Tag 1.30 Mark zu zahlen, ferner kostenlos zu
liefern täglich 6 Liter Milch, wöchentlich 20 Eier, 10 Laib Brot zu je 6-7 Pfund
schwer, jährlich 10 Zentner Weizenmehl, 40 Ztr. Kartoffeln und 30 Ster Brennholz.
1 9 2 9 Dezember Andreas Eham, Metzger und seine Frau Ottilie, sie bleiben bis
Juli 1 9 3 3
1 9 3 3 Johann Loidl, Metzger von Arafing und seine Frau Bertha.
1 9 3 3 Im Kataster Nr. 13662 ist vermerkt: Schenkbutte von Inselkammer bei der
Leonhardskirche, Plan-Nr. 70/915
1 9 4 0 Bertha Loidl, Johann Loidl wurde Soldat.
In den Folgejahren wechselten bis zur Schließung in den 80er Jahren die Wirte in nicht mehr konstruierbarer Reihenfolge.
Kurzfassung von Ortschronisten Wolfgang Bethke, übearbeitet von Franz Inselkammer im Jahre 2000.
Im November 2002 übernehmen Christl und Thomas Bendig die Wirtschaft.
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